Gesprächsanalyse

Gesprächsanalyse am Beispiel anwenden

Nach Lolas erstem und zweiten Lauf sind jeweils ruhige, mit Rotfilter gedrehte Sequenzen eingeschoben, die „roten Szenen“. Lola und Manni diskutieren hier im Bett liegend Ungewissheiten über Liebe und Tod, wobei der Fragende immer derjenige ist, der im Lauf zuvor gestorben ist.

TC: 00:30:21 – 00:32:58

Aufgabe 1

  1. Unten finden Sie den Drehbuchauszug aus dem Gespräch zwischen Lola und Manni über ihre Liebe. Lesen Sie sich den Text aufmerksam durch. Generieren Sie Notizkärtchen und beschreiben Sie stichpunktartig, wie das Gespräch der beiden auf Sie wirkt. Sie können zusätzlich auch Textauszüge auf die Arbeitsfläche kopieren.
  2. Wie geht das?

Drehbuchauszug aus Lola rennt

Lolas Augen wandern zur Seite: Manni liegt neben ihr. Beide rauchen. Sie sprechen ganz, ganz leise.

Lola: Manni?

Manni: Mmh...

Lola: Liebst du mich?

Manni: Na, sicher.

Lola: Wie kannst du sicher sein?

Manni: Weiß nicht. Bin’s halt.

Lola: Aber ich könnt auch irgend ’ne andere sein.

Manni: Nee.

Lola: Wieso nicht?

Manni: Weil du die Beste bist.

Lola: Die beste was?

Manni: Na, die beste Frau.

Lola: Von allen, allen Frauen?

Manni: Na klar!

Lola: Woher willst du das wissen?

Manni: Das weiß ich halt.

Lola: Du glaubst es.

Manni: Gut, ich glaub’s.

Lola: Siehste.

Manni: Was?

Lola: Du bist dir nicht sicher.

Manni: Sag mal, spinnst du jetzt, oder was?

Lola: Und wenn du mich nie getroffen hättest?

Manni: Wie, was wär dann?

Lola: Dann würdest du jetzt dasselbe ’ner anderen erzählen.

Manni: Ich brauch’s ja nicht zu sagen, wenn du’s nicht hören willst.

Lola: Ich will überhaupt nichts hören. Ich will wissen, was du fühlst.

Manni: Okay. Ich fühle, dass du die Beste bist.

Lola: Dein Gefühl. (Pause) Wer ist denn das, dein Gefühl?

Manni: Na ich. (Überlegt) Mein Herz.

Lola: Dein Herz sagt: „Guten Tag Manni, die da, die ist es?“

Manni: Genau.

Lola: Und du sagst : „Ach ja, vielen Dank für diese Information, auf Wiederhören, bis zum nächsten Mal?“

Manni: Genau.

Lola: Und du machst alles, was dein Herz dir sagt?

Manni: Na, das sagt ja nichts, also, ja was weiß ich, das, ... es fühlt halt.

Lola: Und, was fühlt es jetzt?

Manni: Es fühlt, dass da gerade jemand ziemlich blöde Fragen stellt.

Lola: Mann, du nimmst mich überhaupt nicht ernst.

Manni: Lola, was ist denn los? Willst du irgendwie ... weg von mir?

Lola: Ich weiß nicht, ich muss mich halt entscheiden, glaub ich.
Notizkärtchen

Das Vier-Seiten-Modell

Das Vier-Seiten-Modell (oder auch: Vier-Ohren-Modell) von Friedemann Schulz von Thun ist eines der bekanntesten Kommunikationsmodelle. In ihm wird davon ausgegangen, dass jede Aussage von vier unterschiedlichen Seiten aus betrachtet werden kann. Mithilfe dieses Modells lassen sich die Ursachen für zwischenmenschliche Konflikte aus einem Gesprächsverlauf bzw. einzelnen Dialogsequenzen ableiten.

von Friedemann Schulz von Thun

Dieses Modell ist angeregt durch Bühler (1934) und Watzlawick u.a. (1969). Bühler unterscheidet „drei Aspekte der Sprache“: Darstellung (= Sachinhalt), Ausdruck (= Selbstoffenbarung) und Appell. Watzlawick unterscheidet zwischen dem Inhalts- und dem Beziehungsaspekt von Nachrichten. Der „Inhaltsaspekt“ ist gleichbedeutend mit dem „Sachinhalt“ des vorliegenden Modells.

Der „Beziehungsaspekt“ ist dagegen bei ihm weiter definiert und umfasst im Grunde alles drei: „Selbstoffenbarung“, „Beziehung“ (im engeren Sinne) und „Appell“, und damit auch den „metakommunikatorischen“ Anteil an der Nachricht, der Hinweise darauf gibt, wie sie aufzufassen ist. Den Vorteil des hier vorgestellten Modells sehe ich darin, dass es die Vielfalt möglicher Kommunikationsstörungen und -probleme besser einzuordnen gestattet und den Blick öffnet für verschiedene Trainingsziele zur Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit.

Sachinhalt

(oder: Worüber ich informiere) Zunächst enthält die Nachricht eine Sachinformation. Im Beispiel erfahren wir etwas über den Zustand der Ampel – sie steht auf Grün. Immer wenn es „um die Sache“ geht, steht diese Seite der Nachricht im Vordergrund – oder sollte es zumindest. […]

Apell

(oder: Wozu ich dich veranlassen möchte)
Kaum etwas wird „nur so“ gesagt – fast alle Nachrichten haben die Funktion, auf den Empfänger Einfluss zu nehmen. In unserem Beispiel lautet der Appell vielleicht: „Gib ein bisschen Gas, dann schaffen wir es noch bei Grün!“

Die Nachricht dient also (auch) dazu, den Empfänger zu veranlassen, bestimmte Dinge zu tun oder zu unterlassen, zu denken oder zu fühlen. Dieser Versuch, Einfluss zu nehmen, kann mehr oder minder offen oder versteckt sein – im letzteren Falle sprechen wir von Manipulation. Der manipulierende Sender scheut sich nicht, auch die anderen drei Seiten der Nachricht in den Dienst der Appellwirkung zu stellen. Die Berichterstattung auf der Sachseite ist dann einseitig und tendenziös, die Selbstdarstellung ist darauf ausgerichtet, beim Empfänger bestimmte Wirkung zu erzielen (z.B. Gefühle der Bewunderung oder Hilfsbereitschaft); und auch die Botschaften auf der Beziehungsseite mögen von dem heimlichen Ziel bestimmt sein, den anderen „bei Laune zu halten“ (etwa durch unterwürfiges Verhalten oder durch Komplimente). Wenn Sach-, Selbstoffenbarungs- und Beziehungsseite auf die Wirkungsverbesserung der Appellseite ausgerichtet werden, werden sie funktionalisiert, d.h. spiegeln nicht wider, was ist, sondern werden zum Mittel der Zielerreichung. […]

Beziehung

(oder: Was ich von dir halte und wie wir zueinander stehen)
Aus der Nachricht geht ferner hervor, wie der Sender zum Empfänger steht, was er von ihm hält. […] Allgemein gesprochen: Eine Nachricht senden heißt auch immer, zu dem Angesprochenen eine bestimmte Art von Beziehung auszudrücken. Streng genommen ist dies natürlich ein spezieller Teil der Selbstoffenbarung. Jedoch wollen wir diesen Beziehungsaspekt als davon unterschiedlich behandeln, weil die psychologische Situation des Empfängers verschieden ist: Beim Empfang der Selbstoffenbarung ist er ein nicht selbst betroffener Diagnostiker („Was sagt mir deine Äußerung über dich aus?“), beim Empfang der Beziehungsseite ist er selbst „betroffen“ (oft im doppelten Sinn dieses Wortes).

Genau genommen sind auf der Beziehungsseite der Nachricht zwei Arten von Botschaften versammelt. Zum einen solche, aus denen hervorgeht, was der Sender vom Empfänger hält, wie er ihn sieht. In dem Beispiel gibt der Mann zu erkennen, dass er seine Frau für hilfebedürftig hält. – Zum anderen enthält die Beziehungsseite aber auch eine Botschaft darüber, wie der Sender die Beziehung zwischen sich und dem Empfänger sieht („so stehen wir zueinander“). Wenn jemand einen anderen fragt: „Na, wie geht es in der Ehe?“– dann enthält diese Sachfrage implizit auch die Beziehungsbotschaft: „Wir stehen so zueinander, dass solche (intimen) Fragen durchaus möglich sind.“ – Freilich kann es sein, dass der Empfänger mit dieser Beziehungsdefinition nicht einverstanden ist, die Frage für deplatziert und zudringlich hält. Und so können wir nicht selten erleben, dass zwei Gesprächspartner ein kräftezehrendes Tauziehen um die Definition ihrer Beziehung veranstalten. Während also die Selbstoffenbarungsseite (vom Sender aus betrachtet) Ich-Botschaften enthält, enthält die Beziehungsseite einerseits Du-Botschaften und andererseits Wir-Botschaften. […]

Selbstoffenbarung

(oder: Was ich von mir selbst kundgebe)
In jeder Nachricht stecken nicht nur Informationen über die mitgeteilten Sachinhalte, sondern auch Informationen über die Person des Senders. Dem Beispiel können wir entnehmen, dass der Sender offenbar deutschsprachig und vermutlich farbtüchtig ist, überhaupt, dass er wach und innerlich dabei ist. Ferner: dass er es vielleicht eilig hat usw. Allgemein gesagt: In jeder Nachricht steckt ein Stück Selbstoffenbarung des Senders. Ich wähle den Begriff der Selbstoffenbarung, um damit sowohl die gewollte Selbstdarstellung als auch die unfreiwillige Selbstenthüllung einzuschließen. Diese Seite der Nachricht ist psychologisch hoch brisant, wie wir sehen werden. […]

Aus: Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 1. Störungen und Klärungen. Allgemeine Psychologie der Kommunikation. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) 1981. S. 30–35.

Aufgabe 2

  1. Beschreiben Sie in eigenen Worten, worin der Kern des Konflikts zwischen Lola und Manni besteht.
  2. Nutzen Sie das Kommunikationsmodell von Schulz von Thun, um diesen Konflikt genauer zu analysieren. Suchen Sie dazu eine Aussage von Lola oder Manni heraus und analysieren Sie diese nach dem Vier-Seiten-Kommunikationsmodell. Bestimmen Sie Sachinhalt, Appell, Beziehung und Selbstoffenbarung.
  3. Wie geht das?

    Wenn Sie eine weitere Aussage analysieren möchten, speichern Sie zunächst Ihr Arbeitsergebnis.

Drehbuchauszug aus Lola rennt

Lolas Augen wandern zur Seite: Manni liegt neben ihr. Beide rauchen. Sie sprechen ganz, ganz leise.

Lola: Manni?

Manni: Mmh...

Lola: Liebst du mich?

Manni: Na, sicher.

Lola: Wie kannst du sicher sein?

Manni: Weiß nicht. Bin’s halt.

Lola: Aber ich könnt auch irgend ’ne andere sein.

Manni: Nee.

Lola: Wieso nicht?

Manni: Weil du die Beste bist.

Lola: Die beste was?

Manni: Na, die beste Frau.

Lola: Von allen, allen Frauen?

Manni: Na klar!

Lola: Woher willst du das wissen?

Manni: Das weiß ich halt.

Lola: Du glaubst es.

Manni: Gut, ich glaub’s.

Lola: Siehste.

Manni: Was?

Lola: Du bist dir nicht sicher.

Manni: Sag mal, spinnst du jetzt, oder was?

Lola: Und wenn du mich nie getroffen hättest?

Manni: Wie, was wär dann?

Lola: Dann würdest du jetzt dasselbe ’ner anderen erzählen.

Manni: Ich brauch’s ja nicht zu sagen, wenn du’s nicht hören willst.

Lola: Ich will überhaupt nichts hören. Ich will wissen, was du fühlst.

Manni: Okay. Ich fühle, dass du die Beste bist.

Lola: Dein Gefühl. (Pause) Wer ist denn das, dein Gefühl?

Manni: Na ich. (Überlegt) Mein Herz.

Lola: Dein Herz sagt: „Guten Tag Manni, die da, die ist es?“

Manni: Genau.

Lola: Und du sagst : „Ach ja, vielen Dank für diese Information, auf Wiederhören, bis zum nächsten Mal?“

Manni: Genau.

Lola: Und du machst alles, was dein Herz dir sagt?

Manni: Na, das sagt ja nichts, also, ja was weiß ich, das, ... es fühlt halt.

Lola: Und, was fühlt es jetzt?

Manni: Es fühlt, dass da gerade jemand ziemlich blöde Fragen stellt.

Lola: Mann, du nimmst mich überhaupt nicht ernst.

Manni: Lola, was ist denn los? Willst du irgendwie ... weg von mir?

Lola: Ich weiß nicht, ich muss mich halt entscheiden, glaub ich.
  1. Beschreiben Sie die filmgestalterischen Mittel, mit denen die Szene gestaltet wird, und vergleichen Sie diese mit der filmischen Gestaltung des restlichen Films.
  2. Führen Sie aus, warum der Regisseur sich für diese Art der Gestaltung entschieden hat.